Bispingen. Unsere Ohren haben aufgehört zu dröhnen und unsere Körper den Normalzustand wieder hergestellt. Was war das für ein Geburtstag? Der Schützenverein Bispingen wurde stolze hundert Jahre alt und lud zum großen Stelldichein. Wahrscheinlich dem wohl größten Schützenfest was unser Norden bisher gesehen hat.
Als Gäste kamen neben unseren Lokalhelden Everlaunch, Upstream und True Collins, keine geringeren als Mark Medlock, Lotto King Karl & die Barmbek Dreamboys sowie das Alturgestein der deutschen Technomusik mit dem großartigen H.P. Baxxter am Mikrofon: Scooter! Am Samstag war es soweit. Es schien als wäre ganz Bispingen auf den Beinen um das Dorf wie auch das Openair und Festgelände zum Glänzen zu bringen. So mögen wir das! Schon lange Zeit vor dem eigentlichen Einlass machte es sich der Mark Medlock Fanclub auf dem Boden vor dem Openairgelände gemütlich und wartete. Aber nicht nur der Fanclub kam, zum pünktlichen Einlass strömten die Besucherscharen auf die Wiese neben dem Schützenhaus. Schön zu sehen, dass sich das Veranstalterteam um ein so buntes Programm gekümmert hat und sich Besucher von 6 bis 60 an den Rand der Lüneburger Heide ziehen ließen. Die Lokalhelden Upstream machten den Anfang vor den gut 400 Besuchern, die sich bereits bei bestem Wetter gegen späten Nachmittag eingefunden haben. Inzwischen mischten sich die Mark Medlock Fans in den vordersten Reihen der großen Bühne mit den Upstream Begeisterten und machten sich schon einmal etwas warm für das Bevorstehende.
Kurze Umbaupause und dann ging es direkt weiter mit Everlaunch. Die Sonne brannte, die Besucher lauschten unserern Rotenburgern, die sich versuchten durch ihren altbewährten frischen Sound Gehör zu verschaffen. Die Besucher klatschten mit und Everlaunch spielten sich gewohnt professionell durch ihr Set. „Der nächste Song heißt ‘Stop the clocks’ und hätte von H.P. Baxxter kommen können“ so Finner scherzhaft. So schnell wie sie angefangen haben, war es dann auch schon wieder vorbei und es wurde der Platz geräumt.
Mit dem nächsten Künstler zog eine dunkle Wolke über die Menschenmasse, ließ ein paar Tropfen runter und verwand recht schnell wieder. Eigentlich keine Rede wert, war das Wetter den Tag über doch so gut, obwohl im Vorfeld die Wettervorhersage soviel schlechter aussah. True Collins machen das, was Phil Collins gemacht hat. Gute Musik, schöne Coverstücke der Klassiker „In The Air Tonight“ oder „Another Day In Paradise“ spielen und dabei die Leute zum entspannen bringen. Das war schön und wirklich gut. Auch ein wenig Kontrastprogramm zu Scooter mit ihren hämmernden Bässen.
Auf dem Gelände wird es spürbar voller und voller. Zwischen Bühne und FOH ist nur noch schwer durchkommen und die Besucher warten gespannt auf Mark Medlock. Ihr kennt ihn vielleicht noch, bei DSDS wurde er 2007 Liebling der Herzen und Dieter Bohlens. Nun brachte er in diesem Jahr seinen Fanclub mit und gab sein Können zum Besten. Wenn man so in die Gesichter schaute gefiel es nicht allen. Der Schreiber dieser Zeilen fand den Künstler vor sich auf der Bühne auch nicht ganz so gut, aber das lag wohl am persönlichen Geschmack. Hinter der Bühne war es den Tag über sehr entspannt und professionell. Die Gäste, die sich ihr VIP-Ticket gekauft haben, wurden mit einem großen Buffet verwöhnt und konnten sich aus einer Vielzahl an Getränken auf den Abend einstimmen. Auch waren sie den Sternchen des Abends näher, als sie es wohl jemals wieder sein werden.
Lotto King Karl und seine Barmbek Dreamboys stiegen pünktlich zu 21.00 Uhr auf die Bühne und brachten die angereisten Hamburger im HSV Trikot, wie auch einen Großteil des inzwischen fast vollzähligen Publikums lauthals zum mitsingen und feiern. „Hamburg meine Perle“ durfte natürlich nicht fehlen und so stimmten die tausenden Openairfreunde eine der Zugaben an.
Auch wenn es nicht so richtig meine Musik ist, muss ich zugeben, mich den gesamten Tag über wie ein kleines Kind auf Scooter gefreut zu haben. Die Großmeister der deutschen Technomusik, kennt jemand von euch Lesern überhaupt das Vorgängerprojekt von Hans Peter Geerdes? Minimalistische Elektronikklänge, die so gar nichts mit dem der letzten 20 Jahren zu tun haben. Dunkel, die Bühne wird in bläuliches Licht getaucht und H.P. Baxxter lässt sich Zeit und die Menge warten. Die Jubelschreie vor der Bühne werden lauter und dann ist es soweit: Rick und Michael betreten die Bühne und fangen an in die Tasten zu hauen. Zwei Jungs kommen auf die Bühne und fangen an zu tanzen. Sogenannte „Jumper“ wie ich mir erklären ließ. Auch fiel auf, dass der Sound den gesamten Tag über extrem gut abgemischt war und es nun um 23.00 Uhr wesentlich lauter, als noch um 17.00 Uhr zur ersten Band war. Gut so! Denn Scooter muss in den Ohren drücken und das taten sie auch. Aber nicht nur in den Ohren: Große Pyro wurde aufgefahren die einen in regelmäßigen Abständen aufschrecken und im Anschluss vor Begeisterung jubeln ließ. Es fehlte an nichts, Entertainment pur! Die Jumper wechselten sich hin und wieder mit zwei Tänzerinnen ab, die keine großen Koffer für das brauchten, was sie an Kleidung am Körper trugen. H.P. wusste die Massen bei Laune zu halten und spielte einen Kracher nach dem anderen. Ich finde es erstaunlich, dass ich jeden Song kannte, wobei ich nicht ein einziges Album besitze. Ein weiteres Kennzeichen der Bedeutsamkeit der drei Nordlichter und nicht umsonst seit Jahren ein Chartgarant. So gab es mit Ende des Konzertes rundum glückliche Gesichter und ich muss zugeben, dass mir ein Konzert lange nicht mehr soviel Vergnügen bereitet hat, wie die Oberklasseshow von Scooter.
Recht schnell leerte sich das Gelände spürbar und wer noch konnte drehte ein paar Runden im Autoscooter oder den heißen Rädern, probierte sich im Dart und Dosen werfen, oder dem Schießen auf der Kirmes vor dem Openairgelände. Bispingen, es war großartig. Wenn ihr wieder einladet kommen wir gerne. (
cm)
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