Obwohl ich mich weder der Musik noch der Veranstaltung "Loveparade" in irgendeiner Weise verbunden fühle, fühle ich mich mit den Opfern - Tote, Verletzte und Traumatisierte - schon irgendwie verbunden. Jeder Besucher von großen Konzerten, Fußballspielen, Festivals o.ä. Massenevents kennt diese Situationen der Enge, der Ausgeliefertheit in einer großen Menschenmasse. Und kann deswegen - bis zu einem gewissen Grad - mitfühlen.
Viel wurde in den letzten Tagen geschrieben, analysiert, berichtet und auseinandergenommen, was da jetzt wie schief gelaufen ist. War es die Polizei, die zwei Absperrungen geöffnet hat, während eine dritte noch zu war, war es die Security-Mannschaft die offensichtlich überfordert war den Besucherstrom zu den Tunneleingängen zu kontrollieren, war es das "Pech" das eine einzelne Treppe für zu Viele als Rettung interpretiert worden war, oder war es einfach das Fehlen von geeigneten "Lenkungsmaßnahmen", die die Personen durch den Tunnel hätten geleiten können.
Egal wie das Ergebnis der Untersuchungen am Ende ausgehen, es dämmert die Befürchtung, das es daraufhin neue Vorschriften, engere Regeln und Gesetze geben wird, die dann vielleicht bis auf kleinste Veranstaltungen im regionalen Rahmen zurückfallen. Diese sind ohnehin einem äusserst aufgeblasenen Genehmigungs- und Auflagenkatalog ausgeliefert, und es würde die Durchführung solcher Events noch schwieriger machen.
Dabei hätten hier doch alle bestehende Regeln gereicht, wenn man sie eingehalten hätte. Es gibt Regeln bzgl. der Größe eines Geländes bezogen auf die zu erwartenden Teilnehmerzahl, es gibt Regeln bzgl. Fluchtwege und Entlastungszonen, und wenn es die Regel nicht gibt, das
ein Tunnel als Zu- und Abgang bei ca. 1 Mio Leute ungeeignet ist, dann aber auch nur deswegen, weil es der gesunde Menschenverstand fernab von allen rumtheoretisierenden Panik- und Verkehrsforschern ohnehin verbietet.
In diesem Fall gab es genug Regeln und Auflagen, sie hätten nur befolgt werden müssen. Und die einzige Konsequenz kann sein, das diejenigen die dagegen verstossen haben, und damit Menschenleben riskiert haben, auch dafür bestraft werden.
Ich will sie im Gefängnis sehen, die Planer, die Organisatoren, die Sicherheitsbeauftragten, die Genehmiger, die Regelbrecher und Auflagenaufweicher!!
Wenn bei jedem Pups der schief läuft, jemand zur Verantwortung gezogen werden kann, dann bitte erst recht hier. Die einzige Alternative wäre doch alle Auflagen und Genehmigungsverfahren einzustampfen. Dann können wir uns gemütlich zu Flash-Mobs am Weichelsee treffen oder einfach mal nen Verstärker auf ein paar Bierkisten stellen und in der Bahnhofsunterführung zum Konzert aufrufen. Damit kann man gar keine so grosse Gefahr verursachen, wie mit "durchorganisierten" und beamtendeutsch genehmigten Großveranstaltungen.
Ach ja, und vielleicht ist es generell keine gute Idee jugendliche Subkulturen in abgelegene Gelände zu schicken, wo sie immer im Kreis laufen müssen, nur weil sie in der Stadt evtl. zu viel Dreck machen. Symbolisch auch.
(op)